Leon Rabe, Betreuung: Marek Konarski, 100 x 280 cm, Graffiti Schablonentechnik, Assemblage auf Holz © Design & Kunst Konarski

Kunst am Bahnhof

Am Neustädter Bahnhof werden Pendler, Fahrgäste und Besucher von einer Kunstausstellung der anderen Art begrüßt: In einer Reihe gemalter Bilder werden ihnen die Geschichte der Stadt und der dazugehörenden Ortschaften vorgestellt. Marek Konarski und Anna Niffka-Konarski haben die insgesamt 38 Werke in Zusammenarbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus dem Neustädter Umkreis erarbeitet.

Luttmersen

Leon Rabe, Betreuung: Marek Konarski, 100 x 280 cm, Graffiti Schablonentechnik, Assemblage auf Holz © Design & Kunst Konarski

Die Entstehungsgeschichte des Bildes für Luttmersen beruht auf der geschichtsträchtigen Vergangenheit des Ortes. Erste urkundliche Erwähnungen sollen entstanden sein, als Karl der Große im Jahre 804 das damalige „Luttensen“ an das Kloster „Corvey“ verschenkte. Im Jahre 1202 ging der Ort dann an Berend Stolteborg, einer der Urväter der späteren Gutsherren – der Adelsfamilie von Stolzenberg. Im Jahre 1500 wurde in Luttmersen eine Wasserburg an der Leine errichtet, die im Jahre 1610 zugunsten des Baus des Gutshofes der Familie von Stolzenberg wieder abgerissen wurde. Der letzte Nachfahre dieser Adelsfamilie, Rudolf von Stolzenberg, starb im Jahre 1956. Die letzte Erinnerung an diese Familie wurde rund 13 Jahre später 1969 abgerissen, das 1713 errichtete Herrenhaus dieser Familie. Somit ging die Ära einer Familie zu Ende, „die wohl über 1000 Jahre das Geschehen dieser Region mitbestimmte“.

Aber nicht nur damalige Themen finden auf dem Bild Platz. Auch das Trafohäuschen in der Mitte des Dorfes, das renoviert und mit Vogelkästen ausgestattet wurde, das große Storchennest in der Krone eines Baumes im Dorf und der wunderschöne Sandstrand, der am Ufer der Leine durch Abtragungen durch die Strömung mit den Jahren entstanden ist.

All diese Eindrücke erzeugten im Auge des Künstlers die Vorstellung eines bunten und erzählerischen Kirchenfensters. Eines Kirchenfensters, das die Geschichte des Dorfes mit den heutigen Ereignissen verbindet und auf eine fabelhafte und bunte Weise präsentiert.

Aus der Vorstellung wurde Realität – in der Mitte des Bildes befinden sich der „Urvater der urkundlichen Erwähnung“ Karl der Große und die im Jahr 1500 errichtete Wasserburg. Um die Wasserburg verläuft die Leine mit wunderschönem gelben Strand. Zur Linken finden wir den Storch, welcher seine alltäglichen Kreise über das Dorf zieht, um Nahrung für seinen Nachwuchs zu finden, die mit ihm im großen Nest im Baum hausen. Und zur Rechten das wunderschön renovierte Trafohäuschen, welches nun das zu Hause vieler verschiedener Vögel ist. Im Himmel ein Spruchband, welches die erste Erwähnung Luttmersens (804) präsentiert und im Vordergrund in der Mitte, das Wappen der Familie von Stolzenberg.

Die Umsetzung wurde sehr anspruchsvoll. Basierend auf der Idee eines Kirchenfensters hatte man vor, jede einzelne Fläche aus Holz auszuschneiden, zu färben und dann – genauso wie bei echten Kirchenfenstern – zu einem Ganzen zusammenzusetzen. Dies hätte jedoch den Rahmen gesprengt, somit entschied man sich, lediglich bestimmte Dinge aus Holz zu machen, auf eine Platte zu kleben, und den Rest direkt auf der Platte zu malen. Als Malerwerkzeug wurden wieder, ähnlich wie beim Bild für Suttorf, Sprühfarben gewählt. Also hieß es: abkleben, sprühen, nächste Fläche abkleben, sprühen, Objekt ausschneiden, abkleben, sprühen, nächste Fläche abkleben, sprühen und so weiter und sofort – bis alle Einzelteile zusammengefügt, aufgeklebt und angemalt waren. Fertig war das Geschichtsepos des Dorfes Luttmersen.

Gut zu wissen: Das Bild ist 3-teilig, da der Künstler für seine Skizze mehr als nur ein DIN A4-Blatt benötigte, ein zweites teilte und die Teilstücke neben das ganze legte, um ein gutes Querformat zu erhalten. Dieses Format wurde dann als Triptychon (aus einem mittleren Bild und zwei beweglichen, meist je halb so breiten Flügeln bestehende bildliche Darstellung) übernommen.

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