Leon Rabe, Betreuung: Marek Konarski, 130 x 180 cm, Graffiti, Acryl, Assemblage auf Holz © Design & Kunst Konarski

Kunst am Bahnhof

Am Neustädter Bahnhof werden Pendler, Fahrgäste und Besucher von einer Kunstausstellung der anderen Art begrüßt: In einer Reihe gemalter Bilder werden ihnen die Geschichte der Stadt und der dazugehörenden Ortschaften vorgestellt. Marek Konarski und Anna Niffka-Konarski haben die insgesamt 38 Werke in Zusammenarbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus dem Neustädter Umkreis erarbeitet.

Suttorf

Leon Rabe, Betreuung: Marek Konarski, 130 x 180 cm, Graffiti, Acryl, Assemblage auf Holz © Design & Kunst Konarski


Als Grundlage des Bildes für Suttorf wurde vom Künstler die Idee einer alten selbstgemalten Ansichtskarte gewählt. Diese Ansichtskarte besteht aus drei Bildern, die bezeichnend sind für Suttorf, dem Wappen in der Mitte der Karte und aus einem freien Feld für Stempel und Nachricht der Ansichtskarte. Eines der Bilder beschreibt Heusmanns alte Ziegelei, die sich am Ufer der Leine im Dorfeingang aus Richtung Neustadt kommend befindet und dies schon seit den späten 1800er Jahren. Ein weiteres Bild zeichnet den Findling, der sich rechts neben der Bäckerei in der Mitte des Dorfes befindet. Der Findling war ein Geschenk zur 750 Jahr Feier und hat die plattdeutsche Inschrift „Suddorp Schall Leben“ - („Suttorf soll leben“). Das dritte und letzte Bild ist eine Dorfansicht, aus Basse kommend. Man sieht den Spargel- und Erdbeerhof Lübbert, die Gaststätte Völker-Brandt und

im Hintergrund die St.-Vitus-Kapelle, die im Jahre 1864 erbaut wurde. Diese Ansicht unterstreicht außerdem die Straßendorf-Charakteristik Suttorfs. Wie man an den drei beschriebenen Bildern sieht, sind sie auf Grundlage einer Fotografie aufs letztendliche Bild transferiert worden. Auch die Mitte des Bildes, das den Ausschnitt einer Backsteinwand mit dem Wappen zeigt, ist so entstanden. Dies beschreibt außerdem die Bauweise vieler Häuser in Suttorf, die an alte Bauernhäuser aus Backstein erinnern.

Nachdem die Grundlage der Bilder geschaffen war, musste nur noch ein flotter Spruch her. Hierfür eignete sich perfekt der „Heimtriebruf der Hüttenjungen“ - ein altes Gedicht, aus der Chronik Suttorfs.

Die Inhalte für das Werk standen also. Als nächstes folgte die Skizze. Hierfür wurden die angesprochenen Bilder abgezeichnet und zum Gesamtbild komponiert. Ein paar Verzierungen durften auch nicht fehlen, um das Bild einer perfekten Ansichtskarte zu erschaffen. Die Spruchbänder auf der Skizze erinnern an Graffiti, da der Künstler vorher nur in dem Bereich tätig war und somit dem Ganzen seinen Fingerabdruck verleihen wollte.

Die Idee war perfekt. Weiter ging es mit der Umsetzung. Hierfür wurde die Skizze eins zu eins auf Overhead-Folie übertragen. Von der Folie wurde das Bild dann per Projektor auf eine grundierte Spanplatte projiziert. Alle Linien wurden mit Bleistift übernommen. Dann ging es damit weiter, den

Großteil der schwarzen Linien abzukleben und mit Bastelskalpell zu verfeinern, was sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Sobald alles ordnungsgemäß abgeklebt war, kam die Farbe zum Einsatz. Farbe aus Dosen, deswegen auch das Abkleben. Es wurde sehr viel Papier ausgelegt, da sich Sprühfarbe gerne schnell verteilt und daraufhin Bild für Bild so realistisch wie möglich eingefärbt. Schlussendlich wurden dann die Klebestreifen gelöst und alles unter diesen Streifen mit Stift schwarz gefärbt.

Die Bilder waren fertig – das Wappen mit Wand, Spruchbänder, Gedicht und Rahmen der Ansichtskarte fehlten aber noch. Hierfür verfolgte man das Ziel etwas mehr Dimension mit ins Spiel zu bringen. Die skizzierten Rahmen und Spruchbänder wurden aus Holz ausgeschnitten, gefärbt und aufgeklebt, ebenso wie das Wappen. Die „Wand“ besteht aus Dekor-Backsteinen aus dem Baumarkt. Die verschiedenen „Suttorf“-Schriftzüge wurden mit Stift aufgetragen, ebenso wie die altertümliche Schrift für das Gedicht. Der Poststempel mit Name des Künstlers und Datum der Fertigung machte die Ansichtskarte perfekt – das Bild für Suttorf war geschaffen.

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