Elterntaxis sind eine Gefahr auf dem Schulweg

Es ist ein Paradox: Eltern nutzen das Auto, um ihren Nachwuchs sicher zur Schule zu bringen und werden dadurch zur Gefahrenquelle für andere Kinder.

Deutschlandweit wird statistisch mittlerweile jedes dritte Kind per privatem Fahrzeug zur Schule kutschiert, auch vor den Schulen im Neustädter Land nimmt die Zahl der so genannten „Elterntaxis“ zu.

In Otternhagen, in Mandelsloh oder vor der Michael-Ende-Schule in der Kernstadt – die am Morgen und nach Schulschluss zu beobachtende Szenerie ist vielerorts ähnlich: Um die Kinder möglichst nah am Eingang abzusetzen, halten Fahrzeuge regelwidrig in zweiter Reihe oder mittig auf der Fahrbahn. Ohne auf den nachfließenden Verkehr zu achten, springen einige Kinder auf der Fahrerseite aus dem Wagen. Und zu guter Letzt wird schon mal ein Bürgersteig zum abenteuerlichen Wendemanöver überfahren. Die Eltern sind dadurch weder Vorbild für ihren Nachwuchs, noch werden die Kinder durch das Bringen zur Schule befähigt, selbstständig mobil zu werden.

Die Gründe für die Zunahme der „Elterntaxis“ sind vielfältig: Neben der Angst vor Gewaltdelikten sind vielbefahrene Straßen und die Zunahme des Schwerlastverkehrs Gründe, warum Eltern ihre Kinder den Schulweg nicht allein bewältigen lassen. Weitere Faktoren sind unübersichtliche Knotenpunkte, unaufmerksame Autofahrer, fehlende Ampeln oder die unzureichende Beleuchtung des Schulweges. Allerdings sind auch Bequemlichkeit, Zeitdruck und vermeintlich lange Schulwege entscheidend. Es gibt aber auch Eltern, die ihrem Kind schlicht nicht zutrauen, selbständig sicher zur Schule zu gelangen.

Die Sorge der Erwachsenen ist zwar grundsätzlich nachvollziehbar, sie entspricht aber zumeist nicht der Realität. Nicht jede vermeintlich gefährliche Situation ist es in der Realität auch. Gleichwohl ereigneten sich in den vergangenen vier Jahren 16 Schulweg-Unfälle im gesamten Neustädter Land.

Natürlich sind Kinder im Straßenverkehr gehandicapt. Sie werden aufgrund ihrer Körpergröße schlechter gesehen und lassen sich schneller ablenken. Sie haben kürzere Beine und brauchen daher länger, um eine Fahrbahn zu queren und können Gefahren im Straßenverkehr schlechter einschätzen. Dennoch sollte es das Ziel sein, dass wieder mehr Kinder zu Fuß, mit dem Tretroller, dem Fahrrad oder dem Bus zur Schule kommen. Schließlich hat der Schulweg zu Fuß eine Reihe von positiven Effekten auf die kindliche Entwicklung.

Dazu zählen unter anderem eine höhere Konzentrationsfähigkeit im Unterricht, eine gesteigerte körperliche Fitness, der Abbau von Übergewicht sowie – durch einen gemeinsamen Schulweg mit anderen Kindern – die Verbesserung des Sozialverhaltens. Gleichzeitig würde sich dadurch auch noch das Verkehrsaufkommen vor den Schulhöfen und allgemein auf den Straßen verringern.

Verkehrsverstöße vor Schulen werden von der Polizei und der Stadtverwaltung immer wieder punktuell geahndet. Beide Behörden halten es aber für sinnvoller, an die Vernunft der Eltern zu appellieren. Wenn der Schulweg gefahrenarm und nicht zu lang ist, können Kinder den Schulweg durchaus allein zurücklegen.

Diese Maßnahmen können Sie im Vorfeld unternehmen, damit Ihr Kind den Weg zur Schule künftig allein meistert:

  • Üben Sie gemeinsam mit ihrem Kind den Schulweg und beginnen am besten bereits im Kindergarten damit.
  • Weisen Sie Ihr Kind dabei auf Gefahrenstellen hin
  • Tauschen Sie die Rollen und lassen sich mal von Ihrem Kind zur Schule bringen und lassen sich von Ihrem Nachwuchs auf Gefahren hinweisen.
  • Vielleicht kann sich Ihr Kind einer bereits bestehenden Schülergruppe aus der Nachbarschaft anschließen. Gemeinsam fällt der Schulweg leichter.
  • Achten Sie auf die Kleidung: Ihr Kind sollte stets helle, gut erkennbare Bekleidung und im Dunklen Reflektoren oder Blinklichter tragen.
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