Für Tempokontrollen gibt es Regeln

Der Wunsch nach dem Einsatz von "Blitzern" nimmt zu. Für deren Einsatz gelten indes gewisse Regularien.

Statistisch ist überhöhte Geschwindigkeit deutschlandweit nach wie vor die Hauptunfallursache – auch im Neustädter Land. Dass sich nicht alle Verkehrsteilnehmer an die vorgeschriebenen Verkehrsregeln und Höchstgeschwindigkeiten halten, ist alltäglich festzustellen und somit Gefahrenpotenzial im Straßenverkehr. Aus der Bevölkerung erhalten Stadtverwaltung und Polizei quasi täglich Hinweise über „Raser“ und Wünsche nach mehr Tempokontrollen.

Allerdings ist die Stadt Neustadt bisher gar nicht in der Lage, selbst entsprechende Kontrollen durchzuführen, da sie über kein Radarmessgerät verfügt und auch noch nie verfügte. Dies soll sich nun aber ändern. Die Verwaltung will noch in diesem Jahr ein eigenes, mobiles Gerät zur Tempokontrolle anschaffen. Ziel ist es, durch aktive und flexible Überwachung seitens der Stadt die Verkehrssicherheit zu erhöhen und somit die Unfallhäufigkeit zu senken.

Für den Einsatz von Tempomessgeräten gelten gewisse Regularien. Es ist nicht der Fall, dass die Stadt willkürlich an jeder Straße einfach „drauf losblitzen“ darf. Kommunale Tempomessungen dürfen nämlich ausschließlich an Kontrollpunkten durchgeführt werden, die in Absprache mit der Polizeiinspektion festgelegt wurden. Für die Festlegung dieser Punkte gelten strenge Vorgaben (Unfallzahlen, Gefahrenpotenzial, Verkehrsströme, tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit etc.). Auch bestimmte bauliche Voraussetzungen hinsichtlich des Straßenverlaufs müssen gegeben sein.

Aktuell gibt es im gesamten Neustädter Land circa 40 festgelegte Messpunkte, 11 davon im Bereich der Bundesstraße 6. Die anderen befinden sich fast ausschließlich an für überregionalen Verkehr vorgesehenen Kreis- oder Landesstraßen mit erlaubter Höchstgeschwindigkeit von 50, 70 oder 100 km/h.

Sobald der städtische Messanhänger in Betrieb ist, wird die Liste überarbeitet. Einige Kontrollpunkte sind eventuell veraltet, neue könnten dazukommen. Beispielsweise hat die Polizeiinspektion Garbsen der Stadt vor kurzem eine vorläufige Genehmigung für vier Einsätze an der Ortsdurchfahrt Welze erteilt, um die dort im Vorfeld per städtischem Seitenradarmessgerät ermittelten und entsprechend auffälligen Geschwindigkeitsüberschreitungen per „Blitz“-Einsatz zu überprüfen.

Klassische Nebenstraßen, die eine verkehrlich gesehen sehr untergeordnete Rolle spielen, verfügen übrigens in der Regel über keinen Messpunkt. Dies ist deutschlandweit ähnlich. Außerdem dürfen kommunale Geschwindigkeitsmessgeräte in Niedersachsen frühestens 150 Meter nach einem Geschwindigkeitsschild / Ortseingangsschild zum Einsatz kommen.

Einen größeren Spielraum zur Durchführung von Tempokontrollen hat die Polizei. Diese kann mit so genannten Handlasergeschwindigkeitsmessgeräten anders arbeiten und benötigt für deren Einsatz keine festgelegten Messpunkte. Eine bestimmte Entfernung zum Ortsschild muss nicht eingehalten werden. Die Beamten des Neustädter Kommissariats kontrollieren regelmäßig an verschiedenen Straßen des Neustädter Landes. Der Einsatz des Geschwindigkeitsmessgerätes erfolgt grundsätzlich durch einen Messbeamten und einen Protokollführer im vier-Augen-Prinzip.

In sozialen Medien oder auch im direkten Gespräch wird von uneinsichtigen Temposündern gern das Argument „Abzocke“ gebracht. Allerdings kann davon keine Rede sein: Letztlich ist es ganz simpel. Wer sich an die geltende Höchstgeschwindigkeit hält, hat nichts zu befürchten.

Natürlich wäre es für alle Beteiligten einfacher, wenn sich alle Verkehrsteilnehmer vernünftig verhalten und ihr Tempo situationsgemäß anpassen würden. Da dies aber leider nicht Realität ist, müssen Polizei und Kommunen mit Tempomessungen und Bußgeldern für Tempoüberschreitungen sowie bei drastischen Verstößen mit Führerscheinentzug agieren. Eines sollte allgemeines Ziel sein: Raser haben im Straßenverkehr nichts verloren. Wer beispielsweise mit Tempo 100 durch eine Ortschaft fährt, nimmt billigend in Kauf, andere Menschen zu verletzen oder zu töten und hat nichts hinter dem Steuer eines Fahrzeuges zu suchen.

Letztlich kann jeder dazu beitragen, Geschwindigkeitskontrollen überflüssig zu machen. Wenn sich alle an das vorgegebene Tempolimit und die Verkehrsregeln halten, bräuchte es keine Überwachung. Kontrolle sollte immer das letzte Mittel sein. Grundsätzlich sollte sich jeder Fahrzeugführer stets bewusst machen und ständig selbst hinterfragen, wie schnell er wo fährt.

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