Hohe gesetzliche Hürde Zebrastreifen

Einige weiße Streifen auf die Straße malen, zwei Schilder aufstellen und schon ist der Fußgängerüberweg fertig? So einfach ist es nicht.

In Wirklichkeit sind die Hürden für die Errichtung neuer Fußgängerüberwege sogar recht hoch.

Bordenau, Niedernstöcken, Poggenhagen oder Mariensee: Wünsche zur Einrichtung neuer Zebrastreifen erreichen die Stadtverwaltung aus nahezu jeder Ortschaft des Neustädter Landes. Die verkehrlichen Voraussetzungen für die Realisierung eines Fußgängerüberweges sind aber oftmals nicht mal annähernd gegeben.

Innerhalb einer Stunde müssen mindestens 50 Fußgänger die Straße queren

Die Einrichtung von Zebrastreifen ist in den deutschlandweit geltenden "Richtlinien für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwege" festgelegt. Demnach ist das Anlegen eines Überweges formal erst möglich, wenn innerhalb einer Stunde mindestens 50 Fußgänger die Straße am selben Punkt queren. Diese Anzahl wird an kaum einer Straße des Neustädter Landes erreicht. Empfohlen sind Zebrastreifen sogar nur dort, wo in 60 Minuten 100 bis 150 Fußgänger auf 300 bis 600 Autos treffen.

Unabhängig von den verkehrlichen Voraussetzungen sind noch weitere Bedingungen zu beachten. In Tempo 30-Zonen sind Zebratreifen in der Regel entbehrlich und in der Nähe von Ampeln dürfen sie gar nicht realisiert werden. Aus baulicher Sicht dürfen Fußgängerüberwege nur dort eingerichtet werden, wo auf beiden Fahrbahnseiten ein Gehweg oder ein weiterführender Fußweg vorhanden ist.

Zur Erklärung: Die Regelung zur Einrichtung von Fußgängerüberwegen ist sehr stringent, da sonst an zahlreichen Kreuzungen, Einmündungen und Bushaltestellen Zebrastreifen eingerichtet würden und es im Verkehrsfluss somit zu erheblichen Einschränkungen käme. Ausnahmen können nur in begründeten Fällen angeordnet werden, beispielsweise an Unfallschwerpunkten oder an wichtigen Fußwegverbindungen.

Im Neustädter Land sind Zebrastreifen überwiegend in der Kernstadt zu finden, beispielsweise an der Mecklenhorster Straße oder der Theodor-Heuss-Straße. Auch in Helstorf an der Straße Zur Jürse gibt es einen. Doch wie verhält man sich an einem Fußgängerüberweg eigentlich richtig?

Fußgänger, Nutzer von Krankenfahrstühlen und auf den Rollstuhl angewiesene Verkehrsteilnehmer haben stets Vorrang. Aus eigenem Interesse sollten sie sich dem Überweg gut sichtbar nähern, Blickkontakt mit den Fahrzeugführern aufnehmen und den Zebrastreifen erst dann betreten, wenn alle die Fahrbahn nutzenden Verkehrsteilnehmer tatsächlich angehalten haben.

Fahrzeuge und Radfahrer müssen sich dem Überweg mit mäßiger Geschwindigkeit nähern und zwingend vor dem Zebrastreifen stoppen, wenn sich ein Fußgänger diesem nähert oder die Straße queren will. Auf Höhe eines Fußgängerüberweges darf nicht überholt werden. Bei stockendem Verkehr muss der Zebrastreifen freigehalten werden. Fünf Meter vor dem Überweg darf nicht gehalten oder geparkt werden.

Achtung: Radfahrer genießen keinen Vorrang. Es ist zwar nicht verboten, den Zebrastreifen auf dem Fahrrad zu überqueren, um dasselbe Recht wie Fußgänger in Anspruch nehmen zu dürfen, muss das Rad aber geschoben werden.

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