Spielen? Ja! Spielstraße? Nein!

In einem verkehrsberuhigten Bereich gelten besondere Regeln: Dort müssen sich alle Verkehrsteilnehmer als Partner verstehen und aufeinander Rücksicht nehmen.

Vor einem Haus spielen ein Erwachsener und ein Kind mit einem Ball auf der Straße. Von hinten nähert sich ihnen ein Auto.

Weil bei dieser Szene alle Verkehrsteilnehmer eigentlich schon von sich aus automatisch die erhöhten Aufmerksamkeitsantennen ausfahren sollten, hat sie es sogar auf ein Verkehrszeichen (VZ 325.1 StVO) geschafft. Das mit der beschriebenen Szenerie gestaltete, blau-weiße, rechteckige Schild weist auf einen verkehrsberuhigten Bereich hin. Doch wie verhält man sich in diesen Bereichen richtig?

Verkehrsberuhigte Bereiche sind nicht nur Straßen, sie stehen auch als Aufenthaltsort für die Anwohner und als Bewegungs- und Spielraum für Kinder zur Verfügung. Zur optischen Verdeutlichung sind die entsprechenden Straßenzüge typischerweise baulich deutlich von anderen Straßen abgegrenzt. In verkehrsberuhigten Bereichen gibt es beispielsweise keine Einteilung in Fahrbahn, Rad- und Gehweg, da die komplette Straße von allen Verkehrsteilnehmern gleichermaßen genutzt werden darf. Es gelten folgende Regelungen:

Fußgänger dürfen die Straße in ganzer Breite benutzen, Kinderspiele sind überall erlaubt. Alle anderen Verkehrsteilnehmer, also beispielsweise Auto-, Motorrad- und Radfahrer, müssen besondere Rücksicht nehmen und gegebenenfalls sogar anhalten. Die Fußgänger dürfen den Fahrverkehr ihrerseits aber nicht unnötig behindern.

Der Fahrzeugverkehr muss Schrittgeschwindigkeit einhalten (4-7 km/h). Das ist ein Bereich, den ein gängiger Tacho im Auto noch nicht mal anzeigt. Am besten ist es also, das Fahrzeug im ersten Gang mit Standgas einfach rollen zu lassen. Die Pflicht zum Schritttempo gilt – vielen unbekannt – übrigens auch für Radfahrer. Einfach gesagt: Wer einen Fußgänger überholt, fährt schon zu schnell.

Das Parken von Fahrzeugen ist ausschließlich in den dafür vorgesehenen und gekennzeichneten Flächen zulässig. Die Parkplätze sind durch eine andere Pflasterung oder eigens aufgebrachte Markierung gekennzeichnet. Außerhalb der Parkflächen ist lediglich das Anhalten zum Ein- und Aussteigen oder zum Be- und Entladen gestattet, wenn andere Verkehrsteilnehmer dadurch nicht gefährdet beziehungsweise unzumutbar behindert werden.

Beim Ausfahren aus einem verkehrsberuhigten Bereich ist eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auszuschließen. Oberstes Gebot: Warten und Vorfahrt gewähren. Wie beim Ausfahren aus einem Grundstück ist das aus einem verkehrsberuhigten Bereich kommende Fahrzeug gegenüber allen anderen Verkehrsteilnehmern wartepflichtig. Rechts-vor-Links gilt hier nicht.

Allgemeines: Verkehrsberuhigte Bereiche können aus mehreren Straßen bestehen und enden erst am Aufhebungs-Verkehrszeichen. Das Schild ist identisch wie das am Beginn des Bereiches gestaltet, aber mit einem roten Diagonalstrich durchgestrichen (VZ 325.2 StVO).

Umgangssprachlich werden verkehrsberuhigte Bereiche fälschlicherweise oft „Spielstraße“ genannt. Zu diesen gibt es allerdings einen gravierenden Unterschied: in Spielstraßen  ist überhaupt kein Fahrzeug- und Fahrradverkehr erlaubt. Dort dürfen Anwohner nicht mit ihren Autos zum eigenen Grundstück fahren. Im Neustädter Land gibt es keine solche Spielstraße.

Unabhängig der gesetzlichen Regelungen, sollte eines nicht vergessen werden: Ein verkehrsberuhigter Bereich kann nur funktionieren, wenn sich alle Fußgänger, Radfahrer sowie Fahrzeug- und Zweiradfahrer als Partner verstehen und aufeinander Rücksicht nehmen.

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