Vorsicht! Gefahrenquelle "toter Winkel"

Jeden Tag ist der "tote Winkel" die Ursache schwerer Verkehrsunfälle. Aber was ist darunter zu verstehen und wo lauern die Gefahren?

Einige Beispiele: Im Januar 2019 wurde in Lehrte ein 11-jähriges Mädchen von einem rechtsabbiegenden LKW erfasst und getötet. Im November 2018 wurde bei einem ähnlichen Vorfall in Burgdorf eine 16-jährige Radfahrerin tödlich verletzt. Und in Hannover verstarb im April 2018 ein 11-jähriger Junge, als er von einem abbiegenden Lastwagen erfasst wurde.

Aber auch in Neustadt sorgt der „tote Winkel“ leider immer wieder für lebensgefährliche Situationen. Vor drei Jahren wurde ein 60-jähriger Radfahrer an der Bahnhofskreuzung von einem abbiegenden Tanklastzug erfasst und getötet. Im November 2018 überrollte ein Lkw beim Abbiegevorgang in die Theodor-Heuss-Straße eine 54-jährige Radfahrerin und verletzte diese schwer.

Doch was genau ist eigentlich der „tote Winkel“? So werden die Bereiche bezeichnet, die ein Fahrzeugfahrer trotz der Benutzung von Spiegeln nicht einsehen kann. Diese sind je nach Anzahl der vorhandenen Scheiben und Spiegel unterschiedlich groß. Jedes Fahrzeug verfügt über vier tote Winkel: Diese befinden sich direkt vor und hinter dem Fahrzeug sowie auf der rechten und linken Seite.

Besonders ausgeprägt und gefährlich ist der „tote Winkel“ bei großen Fahrzeugen. Manch einer meint, dass der „König der Straßen“ aufgrund seiner thronenden Sitzposition alles im Blick haben müsste. Dem ist aber leider nicht so. Vom Fahrersitz eines Schwerlasttransporters kann beispielsweise eine gesamte Schulklasse nicht gesehen werden, obwohl diese nur wenige Meter neben dem Fahrzeug steht. Vorsicht: Auch Busse, Müllfahrzeuge, Autos, Motorradfahrer, Radfahrer und sogar Fußgänger können im Straßenverkehr nicht alle Bereiche einsehen, in denen sie sich bewegen – jeder Verkehrsteilnehmer verfügt über „tote Winkel“.

In den vergangenen Jahren hat es eine Vielzahl politischer Vorgaben und technischer Neuerungen gegeben, um die Gefahrenquelle „toter Winkel“ zu minimieren. Beispielsweise müssen alle seit dem Jahr 2000 zugelassenen Transporter mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen nunmehr mit zwei zusätzlichen Hauptaußenspiegeln, einem Frontspiegel, einem Rampenspiegel und zwei Weitwinkelspiegeln ausgestattet sein. Darüber hinaus gibt es Fahrassistenzsysteme wie Kamera-Monitor-Kombinationen oder Programme zur Spurwechselunterstützung. In Garbsen wird derzeit ein so genannter Bike-Flash getestet. Das am Straßenrand installierte Warnsystem soll Unfälle zwischen abbiegenden Lastwagen und geradeausfahrenden Radfahrern verhindern, ist aber rechtlich noch nicht zugelassen.

Allerdings nützen die besten Hilfsmittel nichts, wenn sie nicht korrekt angewendet werden. Gegen menschliches Versagen hilft die beste Technik nicht. Leider werden bei Verkehrskontrollen immer wieder unter Alkohol,- Drogen,- und Medikamenteneinfluss stehende Fahrzeugführer festgestellt. Viele LKW-Fahrer stehen unter erheblichem Druck: Ruhezeiten werden missachtet, um pünktlich ans Ziel zu kommen. Die Folge ist Übermüdung. Ablenkung durch Smartphones, Filme die nebenbei laufen und Überschätzung der eigenen Fähigkeiten sind weitere Faktoren für Unfälle.

Doch was können Radfahrer und Fußgänger selbst machen, um Unfälle im „toten Winkel“ zu vermeiden?

Nach Möglichkeit sollten die so genannten schwächeren Verkehrsteilnehmer an Kreuzungen und Einmündungen stets Blickkontakt zum Fahrzeugführer suchen. Wer den Fahrer durch den Außenspiegel des Fahrzeuges nicht sehen kann, sollte davon ausgehen, dass der Fahrer einen auch nicht sehen kann.

Radfahrer und Fußgänger sollten immer einen möglichst großen Abstand zu einem Lkw halten und sich nie neben einem stehenden Schwerlasttransporter aufhalten. Am besten wartet man hinter dem Fahrzeug, bis dieses angefahren ist. Im Zweifel sollte auf die eigene Vorfahrt verzichtet und den Lastwagen zuerst abbiegen gelassen werden.

Die Polizei Neustadt setzt außerdem auf praxisorientierte Aufklärung der jüngsten Verkehrsteilnehmer: Gemeinsam mit der Verkehrswacht und dem THW hat die Polizei jüngst alle vierten Klassen der Kernstadt-Grundschulen zu Gast. Unter anderem konnte sich dabei jedes Kind in einen Lastwagen setzen und dabei selbst feststellen, was ein Lkw-Fahrer alles sehen oder - besser gesagt - nicht sehen kann. Das Programm soll fortan jährlich mit allen vierten Jahrgängen der Kernstadt-Grundschulen durchgeführt werden. In diesem Monat stehen außerdem noch Aktionen in den Grundschulen Mandelsloh und Helstorf auf dem Programm.

 

© 2018 | Neustadt am Rübenberge