Vorsicht im Straßenverkehr - Schulanfang in Neustadt

Autofahrer aufgepasst, die ABC-Schützen kommen: Der Schulweg muss geübt werden. „Elterntaxis“ tragen nicht dazu bei, das selbständige und sichere Verhalten von Kindern im Straßenverkehr zu fördern.

Viele hundert junge Neustädterinnen und Neustädter starten am Samstag in einen neuen Lebensabschnitt.

Während sich die Kleinen mit bunter Schultüte und großem Schulranzen gespannt auf den Weg machen, sorgt der bevorstehende Schulalltag bei Eltern und Großeltern für die eine oder andere Sorgenfalte.

Wie kommt mein Kind sicher zur Schule? Ist meine Tochter in der Lage selbstständig am Straßenverkehr teilzunehmen? Wie wahrscheinlich ist es, dass mein Kind Opfer von Straftaten wird? Sollte ich meinen Sohn täglich mit dem Auto zur Schule bringen? Diese und ähnliche Fragen sind am besten bereits vor der Einschulung zu klären.

Vorbereitung ist alles: Das gilt auch für den Schulweg. Eltern wird daher empfohlen, den Weg zur Schule gemeinsam mit ihrem Nachwuchs häufiger zu üben. Nach kurzer Eingewöhnungszeit sind Kinder dann durchaus in der Lage, den Schulweg allein oder in Kleingruppen zu bewältigen. Grundsätzlich sollte der Nachwuchs dies immer tun, wenn der Weg gefahrenarm und nicht zu lang ist. Schließlich hat die selbständige Bewältigung des Schulweges eine Reihe von positiven Effekten auf die kindliche Entwicklung.

Dazu zählen unter anderem eine höhere Konzentrationsfähigkeit im Unterricht, eine gesteigerte körperliche Fitness, der Abbau von eventuellem Übergewicht sowie – durch einen gemeinsamen Schulweg mit anderen Kindern – die Verbesserung des Sozialverhaltens. Gleichzeitig würde sich dadurch auch noch das Verkehrsaufkommen vor den Schulhöfen und allgemein auf den Straßen verringern.

Die Sorge der Erwachsenen vor Straftaten und Verkehrsunfällen ist zwar grundsätzlich nachvollziehbar, sie entspricht aber zumeist nicht der Realität. Nicht jede vermeintlich gefährliche Situation ist es in der Realität auch. Gleichwohl ereigneten sich in den vergangenen vier Jahren 16 Schulweg-Unfälle im gesamten Neustädter Land.

Natürlich sind Kinder im Straßenverkehr gehandicapt. Sie werden aufgrund ihrer geringen Körpergröße schlechter gesehen und lassen sich schneller ablenken. Sie haben kürzere Beine und brauchen daher länger, um eine Fahrbahn zu queren und können Gefahren im Straßenverkehr schlechter einschätzen. Dennoch sollte es das Ziel sein, dass wieder mehr Kinder zu Fuß, mit dem Tretroller, dem Fahrrad oder dem Bus zur Schule kommen.

Übrigens: Nicht immer ist der kürzeste auch der sicherste Weg zur Schule. Ein kleiner Umweg kann sich lohnen. Im Neustädter Land helfen auf den Gehwegen aufgesprühte gelbe Füße dabei, einen bewährten und grundsätzlich eher gefahrenarmen Weg zur nächsten Grundschule zu finden.

Keine gute Alternative ist es, das Kind täglich mit dem eigenen Auto direkt vor die Schultür zu fahren. So genannte „Elterntaxis“ tragen nicht dazu bei, das selbständige und sichere Verhalten von Kindern im Straßenverkehr zu fördern, sondern sorgen stattdessen immer wieder für zusätzliches Gefährdungspotenzial auf dem Schulweg und vor den Schulen.

Verkehrsverstöße vor Schulen, insbesondere von Eltern der dortigen Schüler, werden von der Polizei und der Stadtverwaltung immer wieder festgestellt und punktuell geahndet.

Für die Erstklässler bietet Neustadts Polizei-Kontaktbeamtin Pamela Hoffmann den „Fußgängerführerschein für Erstklässler“ an. Die Kinder lernen dabei, wie sie sicher einen Zebrastreifen, eine Ampel und eine Straße ohne Querungshilfe queren. Auch wird kurz auf die Gefahren des toten Winkels und das Ansprechen von Kindern eingegangen.

Dazu die richtigen Tipps für Eltern, um ihr Schulkind fit für den Straßenverkehr zu machen:

- Üben Sie gemeinsam mit ihrem Kind den Schulweg und beginnen am besten bereits im Kindergarten damit.

-  Weisen Sie Ihr Kind dabei auf Gefahrenstellen hin.

- Tauschen Sie die Rollen und lassen sich mal von Ihrem Kind zur Schule bringen und lassen sich von Ihrem Nachwuchs auf Gefahren hinweisen.

- Vielleicht kann sich Ihr Kind einer bereits bestehenden Schülergruppe aus der Nachbarschaft anschließen. Gemeinsam fällt der Schulweg leichter.

-  Achten Sie auf die Kleidung: Ihr Kind sollte stets helle und gut erkennbare Bekleidung tragen. Reflektoren und Blinklichter erhöhen die Sichtbarkeit ihres Kindes bei Dunkelheit.

Mit der Beachtung dieser Regeln bestehen gute Chancen, dass die Erstklässler die Risiken des Straßenverkehrs meistern und damit letztlich alle Verkehrsteilnehmer profitieren. Denn von sicherem Schülerverkehr geht eine erhebliche Wirkung auf das gesamte Verkehrsgeschehen aus.

Die Einführung eines Schulweglotsendienstes ist gescheitert 

Anfang des Jahres hatten Stadtverwaltung und Polizei Neustadt gemeinsam versucht, einen ehrenamtlichen Verkehrshelferdienst - umgangssprachlich besser als Schüler- oder Elternlotsendienst bekannt - für die Neustädter Schulen ins Leben zu rufen. Dieser Wunsch war zwar mehrmals von Eltern und Großeltern an beide Behörden herangetragen worden, die Bereitschaft zur Mitarbeit ist aber in der Elternschaft (bisher) nicht erkennbar. An einer von Verkehrskoordinator Benjamin Gleue und Kontaktbeamtin Pamela Hoffmann initiierten Informationsveranstaltung gab es nur wenig Interesse.

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